Jetmir Murati und Sohn

Nach einer Hornhautspende wieder sehen: Das DBHW hilft albanischem Familienvater

Jeannine Seeger Aktuelle Pressemitteilungen, Einzelfallhilfe

Der 43-jährige Jetmir Murati aus Tirana konnte nur noch verschwommene Schatten erkennen, da er unter einer Erkrankung der Hornhaut litt. Die einzige Lösung: Die Transplantation einer gespendeten Augenhornhaut. Diese Operation ist in seinem Heimatland nicht möglich, so dass sich sein Sehvermögen weiter verschlechtert hätte. Doch gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen in Deutschland gelang es dem DBHW mit Sitz in Duisburg ihm zu einer Transplantation in Deutschland zu verhelfen.

Bis Anfang 2017 hatte die Familie Murati für zwei Jahre in Deutschland gelebt; die jüngste Tochter des vierfachen Familienvaters ist hier geboren. Dann wurde der Asylantrag abgelehnt. Während des Aufenthalts in der Wingst hatte er engagierte Ehrenamtliche kennen gelernt, die Jetmir Murati bei der Operation unterstützen wollten, damit er in Albanien arbeiten und seine Kinder zur Schule schicken kann. Im Deutschen Blindenhilfswerk (DBHW) fanden sie einen aktiven Partner, der Reise und Operation mit plante und umsetzte.

„Albanien liegt zwar in Europa, aber gerade im Bereich der Augenheilkunde herrscht noch großer Entwicklungsbedarf“, erklärte Simone Henzler, Projektleiterin des DBHW. Nachdem über das Netzwerk des Hilfswerks die Möglichkeit einer Operation in Tirana geprüft wurde, blieb ein Eingriff in Deutschland als letzte Möglichkeit.

Die Bürgerinnen und Bürger in der Wingst hatten schon aktiv Spenden gesammelt, so dass Jetmir Murati gemeinsam mit seinem Sohn Bujar nach Deutschland reisen konnte. Hier hatte das Deutsche Blindenhilfswerk die Operation bei einem Arzt in Bocholt organisiert. Nach der Voruntersuchung begann das bange Warten auf eine Spenderhornhaut. Doch dank der Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) wurde in kurzer Zeit eine passende Augenhornhaut gefunden.  „Wir waren uns hier bei der DGFG sehr schnell einig, dass auch wir Herrn Murati helfen möchten, und setzten ihn für die Suche nach einem passenden Transplantat auf unsere Warteliste. Es freut uns, dass in relativ kurzer Zeit eine Spenderhornhaut gefunden und ein OP-Termin vereinbart werden konnte“, betonte Regina Michaelis, Leiterin der Gewebevermittlungsstelle der DGFG.

Die Wartezeit verbrachten die Muratis bei ihren Freunden in der Wingst, die ihnen auf so vielfältige Weise geholfen hatten. Vergangenen Dienstag konnte Jetmir Murati am schlechteren Auge operiert werden. Schon am nächsten Tag hatte sich Muratis Sehkraft deutlich verbessert. Nachdem er zuvor zwei Finger in 30 Zentimeter Entfernung nicht erkennen konnte, erkannte er nun schon große Schilder und konnte eine Armbanduhr lesen. „Ich bin überglücklich“, strahlte er.

Der Heilungsprozess wird eine längere Zeit dauern, in der der 43-Jährige regelmäßig Kortison tropfen muss, damit die Hornhaut nicht wieder abgestoßen wird. In einem Jahr können dann die Fäden gezogen und auch das zweite Auge operiert werden – dafür wird er wieder nach Deutschland reisen. Doch nun geht es erst einmal nach Tirana zu seiner Frau und den drei anderen Kindern zurück. Vor allem zur jüngsten Tochter: „Bei ihrer Geburt war meine Sehkraft schon so schlecht, dass ich sie noch nie gesehen habe“, erklärte Murati.

Auch die Projektleiterin des DBHW freute sich für den Patienten, gleichzeitig hat sie noch viele weitere Patienten im Blick: „Viele Erblindungen und Sehbehinderungen in Entwicklungsländern könnten vermieden oder geheilt werden, wenn die medizinische Infrastruktur vorhanden wäre. Acht von zehn Erblindungen weltweit gelten als behandelbar“, unterstrich Simone Henzler.

Die Verhütung von Blindheit durch den Bau von Augenkliniken und die Ausbildung von Fachpersonal ist ein Fokus der internationalen Arbeit des Deutschen Blindenhilfswerks. Weltweit, vor allem in afrikanischen Ländern, unterstützt das DBHW einheimische Augenärzte. Dabei arbeitet das Hilfswerk ausschließlich mit lokalem Personal zusammen, denn nur wenn vor Ort ansässige Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal arbeiten, sind die Investitionen in die Infrastruktur langfristig gesichert. Die größten Projekte sind in Kenia; hier wurden in den letzten Jahren sieben Augenstationen in Krankenhäusern gebaut.