Manege frei

Simone Henzler Kultur, Projekte in Deutschland

"Das hat gar nicht weh getan!", ruft der achtjährige Frederik, als er seiner Lehrerin erzählt wie er auf einem Nagelbrett lag. Seine Mitschülerin Luisa befühlt erfreut ihre rote Plüschnase. Sieht so ein Schulalltag aus? Nein: Eine Woche lang war in der Kölner LVR-Severin-Schule, Förderschwerpunkt Sehen, nichts wie sonst: Fakire, Clowns und Jongleure bevölkerten Klassenräume, und in der Turnhalle wurden sogar Kunststücke mit Feuer einstudiert. Alle zwei Jahre organisiert die Lehrerschaft eine Projektwoche für die blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schüler. In diesem Jahr war der Kölner Spielecircus zu Gast. An zwei Tagen konnten die Grundschulkinder erst die unterschiedlichen Darbietungen ausprobieren, bevor sie an zwei weiteren Tagen eine Gala einstudierten! In den unterschiedlichen Bereichen - Akrobatik, Clownerie, Jonglieren, Balancieren sowie Feuer- und Fakirstücke - fand jedes Kind seine persönliche Nische. Am Finaltag war die Turnhalle prall gefüllt mit Familie und Freunden, die gespannt auf die Auftritte warteten. Für die Kinder war es ein großartiges und außergewöhnliches Erlebnis: Während des Workshops genossen die Kinder die neuen und zugleich vertrauten Erfahrungen in der bunten Zirkuswelt. Für die Aufführung mussten die Schülerinnen und Schüler im Team arbeiten. Und nach der Aufführung genossen sie froh und stolz den Applaus des Publikums. Jedes der Kinder erfuhr durch den Workshop Erfolgserlebnisse, die das Selbstbewusstsein stärkte. Durch die Teamarbeit erfuhren sie außerdem, wie wichtig jeder kleine Beitrag für das Gelingen eines Projektes ist. Der Workshop wurde durch die Förderung des Deutschen Blindenhilfswerks realisiert.