Internationale Projekte

Update Ruanda: Fortschritte und Herausforderungen in der medizinischen Ausbildung
Ruanda steht vor erheblichen Herausforderungen im Bereich der Augenheilkunde. Bei einer Bevölkerung von rund 14 Millionen Menschen arbeiten derzeit nur 24 Augenärztinnen und Augenärzte in dem Land. Dieser eklatante Mangel an Fachkräften führt dazu, dass viele Patientinnen und Patienten keine ausreichende Versorgung erhalten, obwohl Erkrankungen wie der Graue Star (Katarakt) durch operative Eingriffe behoben werden könnten. Zum Vergleich: In einer deutschen Stadt wie Duisburg kommen auf etwa eine halbe Millionen Menschen 34 Augenärztinnen und Augenärzte. Die Folgen dieser Unterversorgung sind gravierend und reichen von vermeidbarer Erblindung bis hin zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität oder wirtschaftlichen Nachteilen.
Das Rwanda Charity Eye Hospital (RCEH) spielt eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der augenmedizinischen Versorgung in Ruanda.
In enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blindenhilfswerk (DBHW) konzentriert sich das Krankenhaus nicht nur auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten, sondern auch auf die Ausbildung lokaler medizinischer Fachkräfte. Nur so kann langfristig eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung in Ruanda sichergestellt werden.
Daher ist der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften sehr hoch. Zwei Ausbildungsinitiativen zielen darauf ab den Fachkräftemangel zu verringern. Die erste Initiative ist ein privates, von Nichtregierungsorganisationen unterstütztes Programm, das bereits seit sechs Jahren läuft und jährlich drei bis vier Augenärztinnen und Augenärzte ausbildet. Die zweite Initiative ist ein staatliches Ausbildungsprogramm, das vor zwei Jahren gestartet wurde und ebenfalls vier Fachkräfte pro Jahrgang hervorbringt. Das RCEH fungiert dabei als Kooperationspartner und bildet praktisch aus. Aktuell lernen fünf Augenärzte im Operationssaal. Dabei liegt der Fokus auf der Erlernung der Phako-Chirurgie, einer modernen Methode zur Behandlung des Grauen Stars. Langfristig ist geplant, die Ausbildung durch den Einsatz eines EYESI-Simulators zu ergänzen, der virtuelle Operationstrainings ermöglicht und so die praktische Erfahrung der Ärztinnen und Ärzte weiter verbessert. So wird ein Phako-Trainings-Zentrum für Ostafrika am RCEH eingerichtet. Hier werden Chirurginnen und Chirurgen aus Ruanda, aber auch aus der Region ausgebildet. Ergänzt wird das Programm durch Schulungen für Pflegekräfte und Sterilisationsteams, um die Hygienestandards und die Assistenzqualität zu erhöhen.
Trotz akuter gesundheitlicher Herausforderung verbessern wir die Ausbildungsmöglichkeiten.
Neben den Fortschritten in der Ausbildung sieht sich Ruanda jedoch auch mit akuten gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert. Der Ausbruch des Marburg-Virus im Jahr 2024 betraf vor allem medizinisches Personal und führte zu 66 Infektionen sowie 15 Todesfällen. Experimentelle Impfstoffe und das Virustatikum Remdesivir wurden eingesetzt, um die Ausbreitung einzudämmen. Ein Mitarbeiter des RCEH gehörte zu den Überlebenden der ersten Infektionswelle.
Eine weitere Bedrohung stellt die Mpox-Erkrankung dar, die vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda, Burundi und Uganda auftritt. Die neue Variante führt zu systemischen Infektionen, die oft mit Bindehautentzündungen einhergehen. Schwere Komplikationen sind zwar selten, erfordern jedoch eine spezifische Behandlung. Die Therapie gestaltet sich schwierig, da wichtige Medikamente in Ruanda nicht verfügbar sind. Dies unterstreicht die Notwendigkeit internationaler Kooperationen, um den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten zu sichern und die medizinische Infrastruktur zu stärken.
Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen mit Sehbeeinträchtigung
Ein weiteres wichtiges Projekt ist das Alumni-Programm im Umfeld des Blindeninstituts. Dieses Programm untersucht die Lebensbedingungen und Arbeitsumfelder der etwa 65 ehemaligen Schülerinnen und Schüler des EIBC. Unter der Leitung des Sprechers der Alumni sollen die Ergebnisse der Studie als Grundlage für Anschlussprojekte dienen, die die Integration der Absolventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt verbessern.
Die Initiativen in Ruanda zeigen, dass durch gezielte Ausbildung, internationale Zusammenarbeit und innovative Projekte nachhaltige Fortschritte in der Augenheilkunde möglich sind. Die Ausbildung lokaler Fachkräfte reduziert nicht nur die Abhängigkeit von internationaler Hilfe, sondern schafft auch die Grundlage für eine langfristige Verbesserung der medizinischen Versorgung. Trotz der Herausforderungen, die durch Krankheitsausbrüche und Ressourcenknappheit entstehen, bieten die laufenden Projekte Hoffnung für eine bessere gesundheitliche Zukunft in Ruanda.